Das Wachstum im Bereich der Verkehrsleitzentralen wird maßgeblich durch den zunehmenden Einsatz moderner Softwarelösungen für den Luft-, Schienen-, Straßen- und Seeverkehr vorangetrieben.
Immer innovativere, teils sogar revolutionäre Technologien sorgen dafür, dass sich dieser Markt kontinuierlich weiterentwickelt.
Im Luftverkehr nimmt das Verkehrsaufkommen stetig zu und soll sich in den kommenden zwei Jahrzehnten sogar verdoppeln.
Im Rahmen dieser Entwicklung werden Kontrollräume für die Regulierung des Luftverkehrs eine Schlüsselrolle einnehmen.
Um einen sicheren Flugbetrieb zu gewährleisten, ist ein Kontrollraum die zentrale Einrichtung, die folgende Aufgaben erfüllt:
- die Überwachung und Entscheidungsfindung in Echtzeit, etwa bei Routen, Manövern und Freigaben
- die Bereitstellung ergonomischer Arbeitsplätze für alle Experten und Operatoren
- die effiziente Steuerung einer stetig wachsenden Anzahl von Flügen
Um dieses Wachstum zu begleiten, etabliert sich eine neue Technologie: der Remote Tower, also der ferngesteuerte Kontrollturm.
Der klassische Flugkontrollturm wird dabei durch ein modernes Turmsystem ersetzt, das aus Kameras, Mikrofonen und spezialisierten Werkzeugen zur Flugverkehrskontrolle besteht. Sowohl kleine als auch große Flughäfen können von einem zentralen Kontrollraum aus überwacht werden, der über ein WAN mit dem jeweiligen Turmsystem verbunden ist.
Merkmale dieser Remote-Lösung
- Mehrere panoramische Videowände zeigen die gewohnte 360°-Sicht aus dem Flugkontrollturm in Echtzeit.
- Operatoren sind in der Lage, mehrere Flughäfen gleichzeitig zu überwachen, ohne ihren Arbeitsplatz zu wechseln.
- Die unterstützende ATM-Software ermöglicht es, zusätzliche Informationen direkt in das Bild einzublenden, beispielsweise mithilfe von Augmented Reality.
- Dank hochauflösender Kameras ist die Sicht bei Nacht deutlich verbessert. Die digitalen Bilder können speziell für den Nachteinsatz optimiert werden, zudem erlauben die Kameras eine flexible Zoomfunktion.
- Zusätzliche Außenmikrofone am Flughafen sowie ein Surround-Audiosystem vermitteln dem Operator im Remote Tower das realistische Gefühl, sich direkt vor Ort zu befinden.
- Ergänzend zur panoramischen Videowand können gezielt einzelne Bildausschnitte und Informationen auf kleineren Monitoren unmittelbar vor dem Operator angezeigt und gesteuert werden.
Diese ergonomische Lösung verkürzt Reaktionszeiten und unterstützt eine dauerhaft hohe Konzentration der Operatoren. Der Mehrwert dieser Fernsteuerungslösung liegt insbesondere in folgenden Punkten:
- eine deutliche Steigerung der Effizienz in der Flugverkehrskontrolle
- eine spürbare Reduzierung der Kosten, da Flughäfen mit mittlerem oder geringem Verkehrsaufkommen zentral gesteuert werden können
- ein geringerer Personalbedarf sowie eine kosteneffizientere Infrastruktur für den Betrieb eines Flughafens
- verbesserte Möglichkeiten für Schulung, Analyse und Optimierung, was zu einer insgesamt leistungsfähigeren Belegschaft führt
Wer sind die wichtigsten innovativen Akteure?
Zwei führende Akteure im Bereich des Flugverkehrsmanagements haben wegweisende Lösungen entwickelt, die die Überwachung in luftfahrtbezogenen Kontrollräumen grundlegend verändern.
- Frequentis setzt sein Remote-Tower-Konzept in enger Zusammenarbeit mit der Deutschen Flugsicherung um. Gemeinsam haben sie den weltweit größten ferngesteuerten Flughafen mit rund 15.000 Flügen pro Jahr in Betrieb genommen. Der Flughafen Saarbrücken wird dabei aus einem Kontrollraum in etwa 450 Kilometern Entfernung gesteuert. Ein besonders hohes Sicherheitsniveau stellt einen zentralen Vorteil der Frequentis-Lösung dar und ist zugleich eine wesentliche Voraussetzung für den Einsatz auf dem deutschen Markt. Das System ermöglicht entweder eine realistische Darstellung über eine panoramische Videowand oder die Anzeige zusätzlicher Informationen auf kleineren Monitoren direkt vor dem Operator. Da der Betrieb rund um die Uhr erfolgt, spielt Ergonomie eine entscheidende Rolle. Darüber hinaus plant Frequentis, künftig mehrere Flughäfen gleichzeitig aus einem einzigen zentralen Kontrollraum zu steuern. Gerade für Flughäfen mit mittlerem bis geringem Verkehrsaufkommen von etwa 3.000 bis 6.000 Flügen pro Jahr ergeben sich daraus erhebliche wirtschaftliche Vorteile. Aktuell befindet sich dieses Konzept noch in der Testphase.
- Als Pionier in diesem Bereich gilt das Unternehmen Saab. Saab hat maßgeblich zur Entwicklung eines neuen Systems für die Flugplatzkontrolle beigetragen, das auf digitalen Remote-Tower-Lösungen basiert. Bereits im April 2015 nahm Saab am Flughafen Örnsköldsvik im Norden Schwedens den weltweit ersten Remote Tower für den Flugverkehr in Betrieb. Seit April 2019 in Südschweden sowie seit Dezember 2019 an zwei weiteren Standorten werden zusätzliche Flughäfen erfolgreich mit Lösungen von Saab ferngesteuert. Ein wesentlicher Wettbewerbsvorteil liegt im Einsatz von Augmented Reality, mit der Flugzeuge direkt im Bild mit zusätzlichen Informationen überlagert werden können. Die Software simuliert außerdem Verkehrsflüsse, um Engpässe in der luftseitigen Infrastruktur frühzeitig zu erkennen und zu vermeiden. Ergänzend steht eine Aufzeichnungs- und Wiedergabefunktion zur Verfügung, die eine detaillierte Analyse ermöglicht und dazu beiträgt, Prozesse langfristig effizienter zu gestalten.
Zusammenfassung
Durch die Zentralisierung der Steuerung von Flughäfen und Flugbewegungen an einem entfernten Standort lassen sich deutlich mehr Flüge bewältigen und gleichzeitig die Wirtschaftlichkeit erhöhen. Die zusätzlichen Funktionen moderner Remote-Tower-Technologien ermöglichen es Flughäfen darüber hinaus, ihre Leistungsfähigkeit nachhaltig zu steigern.
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